Seit Anfang 2020 betreibt European Homecare im Auftrag der Bezirksregierung Düsseldorf die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Rheinberger Stadtteil Orsoy. 180 Menschen leben derzeit in den Räumlichkeiten des ehemaligen Krankenhauses, das Platz für insgesamt 300 Menschen bietet. „Die erste Zeit haben wir darauf verwendet, Arbeitsabläufe und Standards zu implementieren, neue Mitarbeiter einzuarbeiten und die Räume mit Inventar auszustatten“, berichtet der Betreuungsleiter Jan Brückner. Anschließend zogen die ersten Bewohner ein. Die Mehrheit stammt aus der Türkei und Syrien. Viele Familien sind darunter, aber auch allein reisende Frauen und Männer. Während das Asylverfahren läuft, leben die Menschen in der ZUE, erst mit einem positiven Bescheid werden sie einer Kommune zugewiesen. Das kann, abhängig vom Herkunftsland, mehrere Monate dauern. Doch schon von Anfang an finden sozialpädagogische Maßnahmen statt, um die Bewohner auf ihre Zukunft vorzubereiten, zum Beispiel der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Erstorientierungskurs für Asylbewerber mit unklarer Bleibeperspektive. Außerdem kann in der Einrichtung gemeinnützige Arbeit geleistet werden. Dazu zählen Reinigungstätigkeiten oder Hilfe bei der Essensausgabe, aber auch andere Dienstleistungen werden gefördert, so Brückner: „Wer zum Beispiel in seiner Heimat als Friseur tätig war, kann anderen Bewohnern die Haare schneiden.“ Je nach Vorerfahrung sind auch weitere Tätigkeiten möglich, z.B. Änderungsschneider-Dienste oder Computerkurse. Dafür gibt es ein kleines Taschengeld.

Eine ZUE ist ein wenig wie ein kleines Dorf: Neben den Wohn- und Gemeinschaftsräumen gibt es eine Sanitätsstation, in der ein Allgemeinmediziner regelmäßig Sprechstunden abhält, eine Kinderbetreuung, eine Kantine und bald auch einen Kiosk und ein Café. Die Bewohner können das Gelände zwar immer verlassen, haben allerdings noch keine Arbeitserlaubnis und können ohne Krankenversicherung nicht zum regulären Arzt gehen. Statt einer Kita kann die hausinterne Kinderbetreuung besucht werden. Hier können Kinder nicht nur mit Gleichaltrigen spielen, sie bekommen auch erste Deutschkenntnisse vermittelt und werden so auf einen möglichen Schulbesuch vorbereitet. Für jedes Kind dokumentieren die Erzieher in einer Mappe die persönlichen Entwicklungsschritte.

Neben Sozialarbeitern, Sozialbetreuern und Erziehern gehören außerdem ein Ehrenamtskoordinator und ein Umfeldmanager zum Team. Ehrenamtliche leisten einen wichtigen Beitrag, wenn es um zusätzliche Angebote für die Bewohner wie z.B. Vorlesestunden für Kinder oder Freizeitangebote für Erwachsene geht. Derzeit werden noch engagierte Trainer und Vereine für Sportangebote gesucht, da es in der Einrichtung keine Räumlichkeiten dafür gibt. Diese Integration in die Nachbarschaft trägt auch dazu bei, die Akzeptanz für die ZUE in der Umgebung zu erhöhen und Vorurteile abzubauen. Dies ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Umfeldmanagers: „Er ist die Kontaktstelle zwischen der ZUE und den Anwohnern, organisiert Bürgersprechstunden und ist Ansprechpartner für alle, die Fragen zu unserer Arbeit haben.“ Wer ein Anliegen hat oder sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich gerne unter Orsoy-Ehrenamt@eu-homecare.com oder Orsoy-Umfeld@eu-homecare.com melden.